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Ratgeber

Dispersions-, Silikat- oder Kalkfarbe: Welche Wandfarbe passt?

Wandfarbe ist nicht gleich Wandfarbe. Je nach Bindemittel unterscheiden sich Farben in Haltbarkeit, Atmungsaktivität und Untergrund. Dieser Ratgeber stellt die wichtigsten Farbsysteme vor und zeigt, welche Farbe für welchen Raum und welche Fassade passt.

1. Oktober 20268 min Lesezeit
Geöffneter Farbeimer mit Pinsel von oben

Im Baumarkt steht meist der Farbton im Vordergrund. Für das Ergebnis und die Haltbarkeit ist aber mindestens genauso wichtig, welches Farbsystem verwendet wird. Das Bindemittel bestimmt, wie die Farbe auf dem Untergrund haftet, wie viel Feuchtigkeit sie durchlässt, wie robust sie ist und wie sie altert. Die falsche Farbe auf dem falschen Untergrund kann abplatzen, Feuchtigkeit einschließen oder Schimmel begünstigen.

In diesem Ratgeber stellen wir die wichtigsten Farbsysteme für Innenräume und Fassaden vor: Dispersions-, Silikat-, Dispersionssilikat-, Kalk- und Siliconharzfarben. Wir arbeiten mit allen diesen Systemen und setzen Markenprodukte von Herstellern wie Brillux, Keim, Farrow & Ball und Frescolori ein.

Dispersionsfarbe: der vielseitige Standard

Dispersionsfarben sind die am häufigsten verwendeten Wandfarben im Innenbereich. Ihr Bindemittel besteht aus Kunststoffen, die in Wasser verteilt sind. Beim Trocknen verdunstet das Wasser, die Kunststoffteilchen verkleben zu einem geschlossenen Film.

  • Vorteile: einfach zu verarbeiten, auf fast allen Untergründen einsetzbar, in nahezu jedem Farbton erhältlich, je nach Qualität sehr abriebfest.
  • Nachteile: weniger diffusionsoffen als mineralische Farben, bieten Schimmelpilzen bei Feuchtigkeit eher Nährboden.
  • Geeignet für: Wohnräume, Büros, Flure, Treppenhäuser, Gipskarton und Tapeten.

Qualitätsmerkmale nach DIN EN 13300

Wie gut eine Innenfarbe ist, lässt sich an den Angaben nach DIN EN 13300 ablesen. Die Nassabriebklasse reicht von 1 bis 5 und beschreibt, wie scheuerbeständig die Farbe ist. Klasse 1 ist die beste. Das Deckvermögen wird in Klassen von 1 bis 4 angegeben, auch hier ist 1 die beste Stufe. Für stark beanspruchte Flure und Treppenhäuser empfehlen wir Farben der Nassabriebklasse 1 oder 2.

Silikatfarbe: mineralisch und langlebig

Reine Silikatfarben verwenden Kaliwasserglas als Bindemittel. Sie bilden keinen Film auf der Oberfläche, sondern gehen mit mineralischen Untergründen wie Kalk- und Kalkzementputz oder Naturstein eine feste, chemische Verbindung ein. Man spricht von Verkieselung.

  • Vorteile: sehr diffusionsoffen, lichtecht, langlebig, durch den hohen pH-Wert von Natur aus widerstandsfähig gegen Schimmel und Algen.
  • Nachteile: nur auf mineralischen Untergründen einsetzbar, anspruchsvoll in der Verarbeitung, nicht auf alten Dispersionsanstrichen.
  • Geeignet für: Altbauten, Denkmalpflege, mineralische Fassaden und Innenräume mit Kalkputz.

Wie langlebig Silikatfarben sind, zeigt das Hofbräuhaus München: Wir betreuen das Haus seit 1999 und setzen dort Silikatfarben ein.

Dispersionssilikatfarbe: der Kompromiss

Dispersionssilikatfarben verbinden die Eigenschaften beider Welten. Ihr Hauptbindemittel ist Wasserglas, ergänzt um einen geringen Anteil organischer Bestandteile. Die Norm für Malerarbeiten, DIN 18363, begrenzt diesen Anteil auf höchstens 5 Prozent. Dadurch sind sie einfacher zu verarbeiten und haften auch auf manchen nicht rein mineralischen Untergründen, bleiben aber gut diffusionsoffen.

  • Vorteile: diffusionsoffen, robust, einfacher zu verarbeiten als reine Silikatfarbe.
  • Nachteile: nicht für jeden Untergrund geeignet, Prüfung des Altanstrichs nötig.
  • Geeignet für: Fassaden, Wohnräume, Bäder und Küchen mit mineralischem Putz.

Kalkfarbe: natürlich und schimmelhemmend

Kalkfarbe ist eines der ältesten Anstrichmittel überhaupt. Sie besteht im Wesentlichen aus gelöschtem Kalk und Wasser. Beim Trocknen nimmt der Kalk Kohlendioxid aus der Luft auf und wird wieder zu Kalkstein. Kalkfarben erzeugen eine lebendige, matte Oberfläche mit einer ganz eigenen Tiefe.

  • Vorteile: sehr diffusionsoffen, feuchtigkeitsregulierend, durch die hohe Alkalität schimmelhemmend, frei von Lösemitteln und Kunststoffen.
  • Nachteile: weniger abriebfest, nur auf geeigneten mineralischen Untergründen, meist mehrere dünne Anstriche nötig.
  • Geeignet für: Altbau und Denkmal, Schlafzimmer, Keller, baubiologische Anstriche und Räume mit erhöhter Feuchtigkeit.

Kalk ist auch die Grundlage vieler edler Techniken wie Kalkglätte oder Kalkpresstechnik. Mehr zu glatten Oberflächen lesen Sie im Ratgeber Spachtelstufen Q1 bis Q4.

Siliconharzfarbe: die Fassadenspezialistin

Siliconharzfarben werden vor allem an Fassaden eingesetzt. Sie verbinden zwei Eigenschaften, die sich auf den ersten Blick widersprechen: Sie sind stark wasserabweisend, Regen perlt ab, lassen aber gleichzeitig Wasserdampf aus der Wand nach außen entweichen.

  • Vorteile: sehr wasserabweisend, diffusionsoffen, schmutzabweisend, auf vielen Untergründen einsetzbar.
  • Nachteile: im Innenbereich selten nötig, Untergrundprüfung bei Altbauten wichtig.
  • Geeignet für: Fassaden aller Art, auch Wärmedämmverbundsysteme und Wetterseiten.

Am Wohnblock in der Terofalstraße haben wir rund 8.800 Quadratmeter Fassade mit Siliconharzfarbe gestrichen.

Welche Farbe für welchen Raum?

  • Wohn- und Arbeitsräume: hochwertige Dispersionsfarbe, bei mineralischem Putz gern auch Silikat- oder Kalkfarbe.
  • Flur und Treppenhaus: scheuerbeständige Dispersionsfarbe der Nassabriebklasse 1 oder 2.
  • Bad und Küche: Dispersionssilikat- oder Kalkfarbe auf mineralischem Putz, in Spritzwasserbereichen spezielle feuchtraumgeeignete Produkte.
  • Schlafzimmer und Kinderzimmer: emissionsarme, lösemittelfreie Farben, zum Beispiel mit Umweltzeichen wie dem Blauen Engel.
  • Altbau und Denkmal: Kalk- oder Silikatfarben, abgestimmt auf den historischen Untergrund.
  • Fassade: Silikat-, Dispersionssilikat- oder Siliconharzfarbe, je nach Untergrund und Altanstrich.

Der Untergrund entscheidet mit

Nicht jede Farbe lässt sich auf jeden Untergrund streichen. Eine mineralische Farbe haftet nicht dauerhaft auf einem alten, dichten Dispersionsanstrich. Gipsputz und Gipskarton brauchen eine passende Grundierung. Deshalb prüfen wir vor jedem Anstrich den Untergrund und den Altanstrich, bevor wir ein Farbsystem empfehlen.

Bei Schimmelgefahr

In Räumen, die zu Schimmel neigen, sind alkalische, diffusionsoffene Farben wie Kalk- oder Silikatfarben eine gute Wahl. Sie ersetzen aber nicht die Behebung der Ursache. Mehr dazu im Ratgeber Schimmel an der Wand.

Fazit

Dispersionsfarbe ist der vielseitige Standard für die meisten Innenräume. Silikat- und Kalkfarben punkten mit Atmungsaktivität und natürlicher Schimmelhemmung, vor allem im Altbau. Dispersionssilikatfarben verbinden Robustheit und gute Verarbeitbarkeit, Siliconharzfarben sind die Spezialisten für die Fassade. Welche Farbe passt, hängt vom Raum, vom Untergrund und von Ihren Ansprüchen ab. Ein Malermeister hilft Ihnen, die richtige Wahl zu treffen.

Unsicher bei der Farbwahl? Wir beraten Sie gern.

Unsere Malermeister prüfen Ihren Untergrund, empfehlen das passende Farbsystem und setzen es mit Markenprodukten in Meisterqualität um.