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Schimmel

Schimmel an der Wand: Ursachen erkennen und richtig handeln

Schimmel an der Wand ist ein Zeichen für zu viel Feuchtigkeit. Wer ihn nur überstreicht, sieht ihn bald wieder. Dieser Ratgeber erklärt die häufigsten Ursachen, was Sie bei kleinem Befall selbst tun können und wann eine fachgerechte Schimmelsanierung nötig ist.

5. August 20269 min Lesezeit
Fachkraft in Schutzanzug und Atemschutzmaske behandelt Schimmelbefall an einer Wand

Dunkle Punkte in der Zimmerecke, ein grauer Schleier hinter dem Schrank oder ein muffiger Geruch im Schlafzimmer: Schimmel in der Wohnung ist unangenehm und sollte ernst genommen werden. Schimmelpilze können die Gesundheit belasten und die Bausubstanz schädigen. Die gute Nachricht: Fast immer lässt sich die Ursache finden und beheben.

In diesem Ratgeber erklären wir, warum Schimmel entsteht, wie Sie die Ursache eingrenzen, was Sie bei kleinem Befall selbst tun können und wann ein Fachbetrieb übernehmen sollte. Wir orientieren uns dabei am Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts, der in Deutschland als maßgebliche Empfehlung zum Umgang mit Schimmel in Innenräumen gilt.

Die Ursache ist immer Feuchtigkeit

Schimmelpilzsporen sind überall in der Luft vorhanden. Zum Problem werden sie erst, wenn sie auf einer Oberfläche über längere Zeit genügend Feuchtigkeit finden. Dann keimen sie aus und bilden sichtbare Kolonien. Nährstoffe finden Schimmelpilze fast überall: in Tapeten, Kleister, Staub, Holz oder Dispersionsfarben. Die entscheidende Stellschraube ist deshalb immer die Feuchtigkeit.

Woher die Feuchtigkeit kommt, kann sehr unterschiedlich sein. Grob lassen sich drei Ursachen unterscheiden, die oft auch zusammenwirken.

1. Luftfeuchtigkeit und Lüftung

Ein Haushalt gibt täglich mehrere Liter Wasser an die Raumluft ab: durch Atmen, Kochen, Duschen, Wäschetrocknen und Pflanzen. Wird diese Feuchtigkeit nicht ausreichend abgelüftet, schlägt sie sich an den kältesten Stellen im Raum nieder. Häufig betroffen sind Schlafzimmer, Bäder ohne Fenster und Räume, in denen Wäsche getrocknet wird. Nach dem Austausch alter Fenster gegen dichte neue Fenster tritt Schimmel ebenfalls häufiger auf, weil der natürliche Luftaustausch durch Fugen wegfällt.

2. Wärmebrücken und kalte Wandflächen

Wärmebrücken sind Bereiche, an denen Wärme schneller nach außen abfließt als an der übrigen Wand. Dort ist die Oberfläche innen kälter, und an kalten Oberflächen steigt die relative Luftfeuchte stark an. Typische Stellen sind Außenecken, Fensterlaibungen, Rollladenkästen, Deckenanschlüsse und Heizkörpernischen. Auch Möbel direkt an einer Außenwand verhindern, dass warme Raumluft die Wand erreicht. Hinter Schränken bildet sich deshalb oft unbemerkt Schimmel.

3. Feuchteschäden am Gebäude

Feuchtigkeit kann auch von außen oder aus der Konstruktion kommen: durch eine undichte Leitung, einen früheren Wasserschaden, Schlagregen durch Risse in der Fassade, aufsteigende Feuchte im Mauerwerk oder ein undichtes Dach. In diesen Fällen hilft Lüften allein nicht. Die Ursache muss baulich behoben werden, bevor saniert wird.

Die Ursache eingrenzen

Wo und wie der Schimmel auftritt, gibt wichtige Hinweise auf die Ursache:

  • Schimmel in Außenecken, an Fensterlaibungen oder hinter Möbeln an Außenwänden spricht für Kondensation durch Wärmebrücken und Lüftungsverhalten.
  • Schimmel, der vor allem im Winter auftritt und im Sommer verschwindet, deutet ebenfalls auf Kondensation hin.
  • Feuchte Flecken unabhängig von der Jahreszeit, an Innenwänden oder in der Nähe von Leitungen lassen eher auf einen Leitungsschaden schließen.
  • Schimmel im Sockelbereich von Kellerräumen oder Erdgeschosswänden kann auf aufsteigende Feuchte oder eindringendes Wasser hinweisen.

Ein Hygrometer hilft, die Luftfeuchte im Blick zu behalten. In Wohnräumen gilt eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 40 bis 60 Prozent als günstig. Liegt der Wert dauerhaft höher, sollte mehr gelüftet werden.

Kleiner Befall: Was Sie selbst tun können

Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts unterscheidet nach Größe und Art des Befalls. Kleine, oberflächliche Flecken bis zu einer Fläche von etwa einem halben Quadratmeter können gesunde Erwachsene in der Regel selbst entfernen, wenn die Ursache bekannt und behoben ist. Dabei sollten Sie diese Regeln beachten:

  • Schutz tragen: Handschuhe, Schutzbrille und eine Atemschutzmaske der Klasse FFP2.
  • Nicht trocken abbürsten oder absaugen mit normalem Staubsauger, weil dabei Sporen in die Raumluft gelangen.
  • Glatte Oberflächen mit 70- bis 80-prozentigem Ethanol behandeln. Dabei gut lüften und offene Flammen vermeiden.
  • Auf chlorhaltige Mittel und Essig verzichten. Chlor reizt die Atemwege, Essig ist auf kalkhaltigen Untergründen wenig wirksam.
  • Befallene Tapeten anfeuchten, entfernen und in einem verschlossenen Beutel entsorgen.
  • Allergiker, Asthmatiker, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten Schimmel nicht selbst entfernen.

Schimmel einfach zu überstreichen löst das Problem nicht. Die Pilze wachsen unter der neuen Farbe weiter und kommen meist schnell wieder durch.

— Aus der Praxis unserer Malermeister

Wann ein Fachbetrieb ran muss

Bei größeren Flächen, tiefgehendem Befall oder unklarer Ursache empfiehlt das Umweltbundesamt, einen Fachbetrieb zu beauftragen. Das gilt insbesondere in diesen Fällen:

  • Der Befall ist größer als etwa ein halber Quadratmeter.
  • Der Schimmel ist in Putz, Mauerwerk, Dämmung oder Holz eingedrungen.
  • Die Ursache ist unklar oder liegt in der Bausubstanz.
  • Der Schimmel kehrt trotz Reinigung und Lüften immer wieder zurück.
  • Es leben empfindliche Personen im Haushalt.

So läuft eine fachgerechte Schimmelsanierung ab

  1. Ursachenanalyse: Feuchtemessung an Wänden und Bauteilen, Prüfung von Wärmebrücken, Lüftungsverhalten und möglichen Leitungsschäden.
  2. Ursache beheben: Ohne diesen Schritt kehrt der Schimmel zurück. Bauliche Mängel werden behoben oder an die zuständigen Gewerke weitergegeben.
  3. Schutzmaßnahmen: Abschottung des Arbeitsbereichs, damit keine Sporen in andere Räume gelangen.
  4. Entfernen: Befallene Tapeten, Anstriche und, wenn nötig, Putz werden fachgerecht entfernt und entsorgt.
  5. Trocknung und Behandlung: Der Untergrund wird gereinigt und muss vollständig abtrocknen.
  6. Neuaufbau: Neuer Putz und geeignete Anstriche, zum Beispiel diffusionsoffene, alkalische Kalk- oder Silikatfarben. An kritischen Innenwänden kann eine Innendämmung mit Klimaplatten die Oberflächentemperatur erhöhen.

Nach einem Wasserschaden übernehmen wir die Instandsetzung der Oberflächen, sobald die Bauteile von einem Trocknungsfachbetrieb getrocknet wurden: Putz ausbessern, spachteln, tapezieren und streichen.

Vorbeugen: Richtig lüften und heizen

  • Mehrmals täglich für einige Minuten stoßlüften, im Winter kürzer, im Sommer länger. Dauerhaft gekippte Fenster kühlen die Laibungen aus.
  • Nach dem Duschen, Kochen und Wäschetrocknen sofort lüften.
  • Alle Räume ausreichend heizen, auch selten genutzte. Türen zu kühleren Räumen geschlossen halten.
  • Möbel mit einigen Zentimetern Abstand zu Außenwänden aufstellen.
  • Die Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer kontrollieren.

Hinweis für Mieter

Wer zur Miete wohnt, sollte Schimmel umgehend dem Vermieter melden und den Befall mit Fotos dokumentieren. Wer für die Beseitigung zuständig ist, hängt von der Ursache ab. Eigenmächtige Sanierungen ohne Absprache sollten Mieter vermeiden.

Fazit

Schimmel an der Wand entsteht immer durch zu viel Feuchtigkeit, sei es durch Lüftungsverhalten, Wärmebrücken oder Schäden am Gebäude. Kleine, oberflächliche Flecken können Sie mit der richtigen Schutzausrüstung selbst entfernen. Bei größeren Flächen, tiefem Befall oder unklarer Ursache gehört die Sanierung in die Hände eines Fachbetriebs, der zuerst die Ursache findet und dann dauerhaft saniert.

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